Ist es nicht Zeit, daß wir liebend
uns vom Geliebten befrein und es bebend bestehn:
wie der Pfeil die Sehne besteht, um gesammelt im Absprung
mehr zu sein als er selbst. Denn Bleiben ist nirgends.

Und wenn Du Dich getröstet hast,
wirst Du froh sein, mich gekannt zu haben.

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Wir kennen den Kontur
des Fühlens nicht: nur, was ihn formt von außen.
Wer saß nicht bang vor seines Herzens Vorhang?

Lasst jedem seinen eignen Tod.
Das Sterben, das aus jenem Leben geht,
darin er Liebe hatte, Sinn und Not.

Errichtet keinen Denkstein. Laßt die Rose
nur jedes Jahr zu seinen Gunsten blühn.
(Denn Bleiben ist nirgends.)

Wenn etwas uns fortgenommen wird,
womit wir tief und wunderbar zusammenhängen,
so ist viel von uns selber mit fortgenommen.
Nun gilt’s, dass wir uns wiederfinden,
reicher um alles Verlorene und vermehrt um jenen unendlichen Schmerz.

Denn Bleiben ist nirgends.

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Memento (von Mascha Kaleko)

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
Allein im Nebel tast ich todentlang
Und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
— Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Mascha Kaléko
(danke Bettina)

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Dazwischen Stille

Ich kann ihn nicht sehen
den Bären, den Wolf,
die Schreckgestalt,
die ich dir bin.
Im Auge des Sees
schwarz spiegelt darin
das Auge des Sturms
sich im Sinn.

Lass den Wind verlöschen
und im Regen verwehn,
im Bau sich
das Feuer versteckt.
Die Augen geschlossen
knistern verstimmt
die Tropfen im
Silbergespinn.

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Aderlass

Abschütteln
Fallen lassen
Wieder hoch holen
Mein Lungenflügelspitzen ausbreiten
Mir mein eigenes Blut ins Herz injizieren
Das Korsett aufschnüren
Mich inhalieren

Im Jungbrunnen blutjunger Sekundenblüten die Lust auf ein Luftmolekül anhalten
Die Vorhaut zurückziehen bis zu den Vorfahren,
um das verfahrene Verfahren bis zur Unendlichkeit zu verlangsamen
vom Verlangen abgelenkt hab ich mich im Feldversuch verfahren.

Im Fahrtwind fällt es mir langsam auf, dass du mich leckst,
der Lenker fällt mir aus der Hand in den Schoß
und der Nachschub schießt ein wie Zucker…

Süß und gelenkig, denk ich mir leise und lassen das Lauschen verklingen
Felder voller Väter so weit das Auge reicht.

Fall ich in das Mädchenmeer, berauscht von euren Händen, flauschig –
das ist nicht mein Magen der knurrt, das kommt aus der Tiefe.

handzahm, samtweich, nackt Füße wandern nebenher knapp zwei Strand weit, willst du mit mir nach unten gehen? lass mich dir unterlegen sein, ich leg mich in deine Zähne, mit einem Radschlag, pfauenfederweiche Bisse, wie ein Schraubstock schleichst du dich zwischen meine Beine, oder Hände, oder im luftleeren Raum

Ertrinken, könntest du mir was zum Ertrinken holen, ich brauch Salz auf meinen Lippen, lass Küsse über deine Rücken rieseln, zwischen riesigen Kieseln ruht mein Herz für ein Stunde aus, während sie stellvertretend auf ihren Po schlägt, im nackten Pulsschlag, vier oder mehr Viertel, oder die Melodie von November Rain

Federweich fahren meine Finger durch die Achsel der Welt,
verstecke mich zwischen euren nackten Körpern, zwischen euren nackten steinrunden Stößen, und Beugungen, klammer ich mich an die Hoffnung, der Mast, der ewig sprudelnde Quell.

Jungbrunnen – Fahrtwind – Mädchenmeer – Schraubstock – Pulsschlag – November Rain

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Neue Zweifel – Fragen an das Leben

Was sind Bücher anderes als Pixelstaub und totes Holz voller Zeichen, von denen ich eh nur einen Bruchteil verstehe? Warum faszinieren mich abstrakte Konzepte mehr als das echte Leben? Wem versuche ich hier den Intellektuellen vorzuspielen, was will ich beweisen?

Ist alles das was ich lese, mein ganzer Beruf, nicht nur Sehnsuchtsrest aus einer Zeit in der ich nicht wusste wie leben geht? Ersticke ich langsam an Virtualität? War ich nicht zu Beginn meines Lebens nur Liebe und Neugier?

Wo sind die Tiere hin? Wohin die Fabelwesen? Wo ist der Wald hin? Wohin das unbeschwerte Forschen und Wandern?

Wo sind die Punker hin? War da nicht mal was? Unschuldig Verliebtsein?

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Aprilgefühle

Die Wolken sind weitergezogen
windstill haben sich weiche Fäden
in meine harte haut gewoben
hab geweint und gewartet,
und gewusst, das er kommt,
der luftsprung, der Umschwung,

bin barometerweise vorwärtsgerobbt,
hab immer wieder an den ecken der Luftschlösser gezogen,
hab immer wieder an die flachen glasscheiben geklopft,
bis mein Herzklopfen aufgeklappt ist und du rausgefallen kamst,
neue, alte, neugeborene, alt gewordene Welt

nur einen Windstoß entfernt vom endgültigen Neuanfang,
steck ich Stich um Stich, die Puzzleteile in die Frühlingsreife Erde,
und warte bis aus den Regentropfenaugen Eisblumen sprießen,
wie das Echo deiner weggewehten Wärme.

es war dieser Spiegelkabinettmoment, als ihr auf einmal alle da wart,
orgasmus für orgasmus fallen mir die Schneeflocken von den Augen,
zieh ich mir die zähne aus dem herzen, zögere ich mich zum Wellenhöhepunkt,
verschenke meine frischgeschnürten Handschuhe in Unschuld,
bis die Metaphern übernanderstolpern, wie ungeschickt liebesbriefe

ich fange an die Augenblicke reihenweise wegzuwerfen,
tasten, drücken bis die Facetten der Momente glitzern,

mit der Zunge voran ins Taubnesselfeld,
niemals der Nase nach, lieber dem Kompass,
noch eine Karte ziehen, Herzdame, Höhenlinie,
und vom schmalen Grat des 5 Meter Bretts in die Aufrichtigkeit eintauchen:

ich kenne dich nicht, magst du auch einen Kuss?

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another om

mein schwanz zieht sich in meinen schoß zurück,
ich schlage meine hoden übereinander wie beim schneidersitz.

der funke verlässt nicht meine finger.
ich lächle, ich blicke, ich schwinge innerlich,

doch kein feuer brennt.
niemand tanzt.

mein bewusstsein ejakuliert eine steigende kurve gefühl,
dein einer knopf drückt 10 knöpfe;
auf meiner fingerspitze spür ich sie spröde tasten.

deine stimme bröckelt, keine geige – nur ein monochord.                                                          nach dem testbild – die nationalhymne: es gab einen moment

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