Kommuniques aus dem urbanen Urwald

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„Berlin beginnt immer mit den Worten: Heute, Jetzt und Hier bin Ich“ – Gerald Falkner (zu Hiob Montag)

textunes – Literatur fürs iPhone

Ich blogge jetzt auch beruflich. auf www.textunes.wordpress.com gibts Infos zu den Themen digitale Literatur, eBooks, iPhone und natürlich rund um meinen textunes - den Buchladen für dein iPhone.

Schweigen

nicht drüber reden,

drüber hinweg reden, abends weg gehen, flanieren, browsen,

sovieles bleibt ungesagt, bis zur wiederentdeckung,

spiegelbild,

schamhaft um die ecke blicken, tasten, tippen,

die bildschirme zaghaft erröten lassen,

virtuelle trampelpfade graben, spärlich beleuchtete zeilen gehen, seiten legen,

sich sätze entlang hangeln, sich frei schwimmen, ohne worte – aber niemals sprachlos

 

Vom Dach scheint weiß der herbstlich Mond

In Hof scheint weiß der herbstlich Mond

der im Hof weint

wer weint im Hof?

Vom Dachrand fallen phantastische Schatten.

in den Fallen warten sie wach

vom Dach scheint weiß der herbstlich Mond

Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt;

schweigend trohnt

vom Dach fällt weiß der herbstlich Mond

Da tauchen leise herauf die Ratten

ab tauchen die Schatten,

in ihren augen funkelt weiß der herbstlich Mond

Und huschen pfeifend hier und dort

zerreißen streifen papier

weiß wie der mond

Und ein gräulicher Dunsthauch

sie zittern im Wind

denn sie wittern den Mond

Ihnen nach aus dem Abort,

ein geisterhafter Ort am Kraterrand

vom Dach fällt

Im Flur

Den geisterhaft der bleiche Schein durchzittert

erstirbt ein Scheppern

vom Dach fällt weiß der herbstlich Mond

Und sie keifen vor Gier wie toll – Mond!

Und erfüllen Haus und Scheunen,

mit Schreien – Mond!

Die von Korn und Früchten voll. – Mond!

Eisige Winde im Dunkel greinen.

vom Dach fällt weiß der herbstlich Mond.

in fensterscheiben schimmert sein scheinen

Tribbles

Schnuppern,

kuscheln,

tasten,

schmiegen,

schnurren,

und lange in die augen schauen

deinen geruch aufsaugen

deinen körper spielerisch erkunden

ohne worte

Traumwelten

Eine Tür – zwischen den Zeilen – eine Melodie – zwischen den Noten – betreten verboten – schwarze Schrift auf gelben Grund. Ich will der Schrift auf den Grund gehen. Abtauchen. Hinter abgeschabten Tapeten. Ein Abbruchhaus. Abrissreif. Direkt am Wasser gebaut, schaut es raus auf den Rhein, auf den See. Seh ich raus auf die Schutthaufen, die sich zu meinen Füßen türmen. Türmen. Eine Idee, die sich immer dann aus den bequemen, mollig warmen Windungen meines Gehirns schält, wenn auf dem Bahngleis ein Güterzug einfährt. Leichtfertig losfahren. Ohne Rücksicht auf Ziel, Verschwunden Gesucht werden und Trommelfell. Verschwinden, wie ein vorbeifahrender Zug. Sich auflösen, wie eine Kopfschmerztablette im Wasser. Stehe auf der Dachterasse vor dem Wintergarten und blicke auf das Betonwerk. Great Lakes. Grüne Wolken.
Durch ein zerbrochenes Fenster, von dessen Scherben leise verstummend noch das Klirren ihres Zerbrechens tropft, von dessen Scherben leise verstummend ein kleines Verbrechen tropft. Hausfriedensbruch?

Beginnt mit dem Überschreiten einer Grenze. Beginnt mit dem Überfahren eines Igels. Beginnt mit dem Balancieren auf der Beton-Mauer, die zwei große Länder teilt. Nycomed. Telekom. Beginnt mit Sex auf der Bank im Einkaufszentrum. Beginnt mit der Frage: „Guten Tag, fahren sie Richtung Singen, könnten sie mich ein Stück mitnehmen?“

Irgendwo dort wo Leben aufhört und Erinnerung anfängt, verwischt eine Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Was früher selbstverständlich gewesen ist, ist heute einfach nicht mehr wahr.

Meinen Finger entgleitet langsam die rostige Brüstung der Fahrradbrücke, an der Fassade hängend lass ich mich rückwärts auf den Betonhang Richtung Rhein fallen. Die Zuflucht unter der Brücke ist nicht belegt heute Nacht. Auf der schimmligen Matratze liegt ein leeres Heft. Keine beschriebenen Seiten im Poesiealbum, keine Bilder im Black Book, keine eingehefteten Photos, ein Telefonbuch ohne Nummern.
Aus der Leitung, die sich durch wirres Tasten auf meinem Handy öffnet, sprudelt weisses Rauschen.

Hallo? Halloooo? Hallo? Hallo? Hallo? (leiser werdend) Hallo? Hallo? Hallo? (Echo)

Klingeln / Melodie / warme Sonnenstrahlen / ein Zoll-Beamter weckt mich
Erik ruft an / Betrunkene randalieren vor meinem Zimmerfenster / ein Blick auf die Uhr / „Hey, sie da, sie können hier nicht auf der Straße liegen bleiben!“ / eine Durchsage „nächster Halt ihres Zuges, Engen.“ / es ist schon 17 Uhr / eigentlich müssten wir schon längst da sein / ich erkenne die Straße nicht wieder / er wohnt doch davorne, bei dem grünen Haus / Entschuldigen sie, wie komme ich am schnellsten zum Bahnhof? / Hey Erik, na, mas macht die Kunst? / Wie ihr wartet schon auf mich / es wird Nacht / der Wecker fällt laut scheppernd von der Kommode / warten, warten, warten / ein fremdes Bett / achja, Rockenbach / wo bist du? / in Berlin / ich schäle mich aus dem Schlafsack / weisser Sand / ich liege vor einem Stromkasten in Mittenwald kurz vor Österreich / in einer Bahnhofshalle / ja ich komme heute abend kurz vorbei? / eine Geisterstadt an der / hälst du mal eben meine Mantel / griechisch-türkischen Grenze /schon wieder ein Abend im Contrast / an der Sektbar / Heimreise / Zimmerfenster / Fahrstuhl / Treppenhaus / Badezimmer / ich sitze wieder am Tisch / ich glaube wir müssen aussteigen / „Taborweg“ / nur noch ein kleiner Abstecher ins wooloo / 10 Uhr Uni, Eingangshalle / Schischacafe / Balkon / Semesterende / Aufwachen / lautes Glockengeläut / Montag / Silvester / Feuerwerk / ich werfe einen weiteren Blick auf die Karte / eigentlich müssten wir hier sein / seit zwei Stunden ist uns kein Auto mehr entgegen gekommen / Taxi bitte / Pick-up thailändische Sandpiste / Landstraße / schaue von der Spitze des Burgfrieds / Kirchturms / auf den Platz / im Tal liegt ein weiteres Zeltlager / noch ein Stockwerk und ich bin oben / Handyklingeln / Hallo?

Ich falle zurück aus den Seiten des Buchs. Wirklichkeit zieht Bewusstsein an, wie ein Abfluss das Wasser, wenn man den Stöpsel zieht. Zitternd – klamm vor Kälte – fährt mein Finger über ein paar entgleiste Buchstaben: „Ich glaube, Toto, wir sind schon lange nicht mehr in Kansas.“

Flapping the Hammer!

Unsichtbares Theater bzw. „verstecktes Theater“ wurde von Augusto Boal entwickelt und ist eine politische oder künstlerische Aktionsform, bei der es darum geht, Theaterstücke nicht auf einer Bühne aufzuführen, sondern ohne Wissen der Zuschauer an öffentlichen Orten. Das unsichtbare Theater zählt zu den Methoden des Theaters der Unterdrückten und ist eine verbreitete Form des Straßentheaters.

Doch gibt es auch Formen des „unsichtbaren Theaters“, die nur einer Verunsicherung des Publikums dienen sollen und provokanten Charakter haben und zu den Methoden der Kommunikationsguerilla zählen. Das „versteckte Theater“ wird auch mit Dario Fo in Verbindung gebracht, weil sich einige seiner Stücke für diese Theaterform sehr eignen und er selbst an solchen Aktionen beteiligt war.

Flapping the Hammer! Ein Szene für mehrere Personen.

(Aufgang ins Universitätsfoyer. Stand von einer Consulting Firma ist aufgebaut mit Material z.B vom Career Service Tisch)

(Ein Typ verteilt an der Treppe stehend Flyer)
Flyerverteiler: „Entschuldigung..“
„Willst du nicht…“
„Hast du schon….“
„Hey…“
(Anderer Typ bleibt stehen)
Anderer:
„ALTER! Was soll die Scheiße jeden Tag steht ihr hier mit euren scheiß verfickten Flyer und geht mir auf’n Sack. Alter, ich krieg’s kotzen, weißt du? Such dir gefälligst n vernünftigen Job, bei der Müllabführ vonmiraus, kannst du Restmülltonnen auslecken..“ (beginnt auf ihn einzuschlagen und reisst ihn schließlich zu Boden…)
(rappelt sich wieder auf, und beginnt Papier von nem Stand runter zu reißen…), schmeißt nen Zeitungsständer um.. und haut ab, wenn er kann…

Was ihr nicht wissen könnt[...]

Der kürzlich im Polen wieder „aufgewachte“ Komapatient war vermutlich schon lange bei Bewusstsein. Der 65-Jährige nahm 15 Jahre lang seine gesamte Umwelt wahr – wegen einer vollständigen Lähmung war er jedoch zur Bewegungslosigkeit verdammt.

*eine Minute Schweigen*

Incommunicado bedeutet „nicht fähig zu sein, sich der Außenwelt mitzuteilen“, oder bezeichnet den Zustand, von jeglicher Kommunikation abgeschnitten zu sein. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, jemanden „incommunicado zu halten“. In diesem Fall wird dieser Zustand von außen aufgezwungen und kann auch nur von außen beendet werden.

zzzzp! Sehnenreflexe klick! Autismus *tippen* Incommunicado Vierersitz ping! Zazen Rauschen klick! Schweigen schschsch! Türen schließen selbstätig. Zazen hat aber kein definiertes Ziel und keine Bedeutung, die über das Sitzen selbst hinausgeht.

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*kreischen*

Parkour

Laufe die Straße entlang
Laufe die Straße entlang
Laufe die Straße entlang
Biege ab in den Gang, den Hausflur, demitour übers Geländer
und lande im Garten, kurz warten, und weiter nach draussen,
sausen Autos auf der Überholspur,
ich spring auf den Rand vom Rinnstein, wieder Kind sein, tic-tac,
über pfosten, kurz rasten und rostende regenrinnen nach oben, passe muraille über mauer und wieder auf den boden, der tatsachen, die spass machen, rolle über gras, lachen, und weiter, feuerleiter auf der rückseite, n ganz schönes stück weite,
stoppen ansetzen
mit den armen voran sich zwei meter tiefer in den sand setzen,
wetzt das schulterblatter über bande, am rande des spielplatz, kiefernzapfen,
trampelpfad durchs dickicht, bürofenster von hinten blickdicht, ich blicks nicht,
zieh mich nach oben aufs fenster, tic-tac, man siehst du gespenster,
versteck mich vor dem verdutzenten blick des wachmann, du bist nicht ganz wach, mann!, was is das fürn krach, dann bieg ich um die ecke zur vorderfront von der fassade, lache und runter in die einkaufspassage und lande reverse und ziemlich präzise auf dem kleinen flecken wiese, ich bin weg und genieße, das auf und ab und klettern in der fußgängerzone,
wie könnt ihr nur ohne y-Achse leben? euch ohne rückgrat bewegen? noch ein tic-tac und eben, krieg den stromkasten schon z’fassen,
und bin rüber, balanciere schon wieder, über
eueren köpfen, wo niemand mich sieht, weil ihr nach unten kuckt, euch in euch verkriecht,
ich hab musik in den ohren und ihr nur euren ipod,
ich hab den beat in den beinen, i am on the run, und das bei gott!
Fahradständer demitour
Fahradständer demitour
Fahradständer demitour
Fahradständer demitour – klein stop und weiter stangen obenauf und lauf
tic tac tic tac tic tac jump and run und dann und wann euch über den weg, und weg! und bin raus…

wenn Wasser von weit oben fällt…

Das Klappern meines Herzmuskels verklingt in der Stille eurer Tage, in eurem rastlosen Wandern zwischen den Quadern und Plakaten, ich stehe fragend versteinert und schaue euch zu.

Und ständig schabt das Messer unter dem Holz.

Die Poren meiner Haut sind verklebt, überwuchert vom Dreck und Staub eurer Worte, vom elektrischen Flimmern eurer Träume und den Nadeln, die eure Lebenslinien für mich sind.

Es zieht über Land ein Waldbrand ungesehen, durch den menschenleeren Forst.

Das Blau meiner Augen ist überflutet, vom Morast eurer Stimmen, vom Wispern der Andeutungen, von Gesprächsfetzen zerissen,

verhallt ungehört ein einziger stummer Schrei, und der Wolfszorn bricht los…

Idee Performance

Zögernd betritt sie den kleinen Trampelpfad, der sich durch das hohe Gras an die Rückseite der verfallenen Fabrikhalle schlängelt. Ihr ist dabei mehr als etwas mulmig zumute, als sie durch das Loch im Zaun auf die schwere Metalltür des grauen Betonturmes zusteuert. Immer wieder fährt sie mit ihren Händen über das raue Büttenpapier des Einladungsschreibens. Zweifach gefaltet, eine zart geschwungene rote Handschrift, ein getrocknetes Schilfblatt zwischen den Seiten. Unsicher schleppt sie sich, den Kreidepfeilen an den Wänden folgend nach oben.

Die kalte kantige Weite des aufsteigende Treppenhauses mündet in einen Raum. Über einen Stuhl hängt Kleidung, eine Hose, ein Hemd, zwei Socken, eine Boxershort. Alles sorgsam zusammengefaltet. Daneben eine Kamera und ein Zettel: Zieh dich aus! Eingefangen von der Magie der Installation folgt sie der Anweisung.

Auf der Rückseite des Zettels entdeckt sie eine weitere. Ab sofort schweigst du! Wen auch immer du triffst, du wirst nicht mit ihm sprechen! Du wirst auf Entdeckungsreise durch diese Ruine gehen, versuche an diesem Ort die ganze Leere deiner Existenz zu spüren, sie für dich greifbar zu machen. Kälte, Stein, Beton, Schlamm. Saug alle Erfahrungen, alle Bilder, alle Sinnesreize in dich ein. Was du nicht mit deinem Körper, nicht mit deinem Verstand festhalten kannst, das erfasse mit der Kamera. Spiel mit den Möglichkeiten, die dir dieser Ort bietet. Du bist völlig allein. Unbeobachtet. und frei! Was auch immer passiert, es passiert aus dir selbst. Jede Bewegung, jedes Um-Sich-Schlagen, jedes Tanzen, jede Berührung, jeder Schrei. Es gibt keine Grenze. Alles ist erlaubt… Und alles was bleibt sind deine Bilder…